Design Insights
Checkliste vor dem Teppichkauf
Diese Seite ist zum Mitnehmen gedacht. Sie bündelt in fünfundzwanzig Punkten, was auf dieser Website an einem Dutzend Stellen ausführlich steht — geordnet nicht nach Themen, sondern nach dem Zeitpunkt, an dem Sie es brauchen: zu Hause, vor dem Teppich, im Gespräch, vor der Unterschrift.
Wer sie abarbeitet, macht keinen der acht häufigen Proportionsfehler und kauft nichts, was er nicht beurteilen kann. Das ist der ganze Anspruch, und er reicht weiter, als er klingt: Die meisten Fehlkäufe entstehen nicht daran, dass jemand etwas Falsches gewusst hätte, sondern daran, dass die Frage im falschen Moment gestellt wurde — die Materialfrage im Wohnzimmer, die Formatfrage im Laden.
Jeder Punkt sagt in ein bis zwei Sätzen, was zu tun ist, und verweist dorthin, wo es hergeleitet wird. Wer im Laden steht, liest nur die Punkte. Wer zu Hause vorbereitet, folgt den Verweisen.
Phase 1 — Zu Hause, bevor Sie losgehen
Sechs Punkte, für die niemand ein Geschäft betreten muss, und die zusammen etwa eine Stunde kosten. Sie entscheiden mehr über das Ergebnis als alles, was danach kommt: Ohne sie beginnt das Gespräch im Laden mit einer Schätzung, mit ihnen beginnt es mit Zahlen.
- Die Fläche ausmessen und mit Klebeband markieren. Nicht den Raum messen, sondern die Fläche, die der Teppich einnehmen soll — das sind zwei verschiedene Dinge. Kleben Sie den Umriss auf den Zentimeter genau auf den Boden und leben Sie einen Abend damit. Welches Format zu welcher Sitzgruppe gehört, steht bei der Teppichgrösse fürs Wohnzimmer, welche Masse es überhaupt gibt bei den Standardmassen.
- Die Türen prüfen. Messen Sie den Abstand zwischen Türblatt und Boden an jeder Tür, die über die geplante Fläche schwingt — auch an Schranktüren. Ein Knüpfteppich trägt je nach Qualität acht bis fünfzehn Millimeter auf, mit Unterlage mehr. Liegt der Spalt unter zwei Zentimetern, ist die Florhöhe ein Auswahlkriterium und keine Detailfrage danach.
- Bodenfarbe und Licht notieren — mit Foto. Einmal bei Tageslicht, einmal abends bei eingeschaltetem Licht, beide Male vom Türrahmen aus. Notieren Sie dazu die Himmelsrichtung der Fenster. Derselbe grau-beige Teppich liest sich im Nordraum als Grau und im Südraum als Beige; warum, und was daraus folgt, steht im Artikel zu Teppich und Farbkonzept.
- Die Nutzung ehrlich einschätzen. Hund, Katze, kleine Kinder, Esszimmer, Laufweg zur Terrasse — schreiben Sie es auf, bevor Sie einen Teppich sehen, der Ihnen gefällt. Danach fällt die ehrliche Antwort schwerer. Diese eine Zeile entscheidet später über Faser, Florhöhe und darüber, welche Dichte sinnvoll ist.
- Fussbodenheizung? Wenn ja, gehört sie in dieselbe Notiz. Sie schliesst nichts aus, begrenzt aber Florhöhe und Unterlage, und zwar beide zusammen. Der Richtwert und die Rechnung dazu stehen im Artikel zu Teppich auf Fussbodenheizung.
- Einen Rahmen setzen — und ihn nicht die Qualitätsfrage beantworten lassen. Ein Rahmen ist nützlich, weil er die Auswahl verkleinert. Er wird schädlich, sobald er das Urteil ersetzt: Innerhalb jeder Grössenordnung gibt es gute und schlechte Stücke. Woraus sich der Preis überhaupt zusammensetzt, erklärt der Artikel dazu, was ein handgeknüpfter Teppich kostet.

Zu Punkt 3: Derselbe Teppich, zwei Helligkeiten. Ein Foto bei Tag und eines bei Kunstlicht zeigen, womit der Teppich es zu Hause zu tun bekommt.
Phase 2 — Am Stück, im Laden
Sieben Prüfungen, die zusammen keine zehn Minuten dauern und für die Sie den Teppich anfassen und umdrehen müssen. Fragen Sie vorher, ob Sie das dürfen. Ein Haus, das die Prüfung scheut, hat Ihnen damit bereits geantwortet — und ein Haus, das mit umdreht, meistens auch.
- Rückseite ansehen und Knoten zählen. Auf 10 Zentimeter in der Breite und 10 in der Höhe zählen, multiplizieren, mal 100 — das sind die Knoten pro Quadratmeter. An zwei Stellen messen und mitteln. Der ganze Rechenweg samt Umrechnung in kpsi und Raj steht im Artikel Knotendichte selbst prüfen.
- Die Fransen prüfen. Bei einem Knüpfteppich sind sie die Enden der Kettfäden und laufen ohne Naht ins Gewebe. Eine durchgehende Quernaht über die ganze Breite bedeutet ein angenähtes Band und damit eine andere Bauart. Wie Kette, Schuss und Kanten zusammenhängen, erklärt Kette, Schuss, Kanten.
- Die Wolle zwischen den Fingern reiben. Ein paar Florfäden zwischen Daumen und Zeigefinger: leicht fettig heisst, das Lanolin ist da; staubtrocken heisst, es ist ausgewaschen. Was das über die nächsten zehn Jahre aussagt, steht unter Wolle im Teppich.
- Die Reibprobe mit weissem Tuch. Tuch anfeuchten, auswringen, fest über eine dunkle Stelle reiben. Bewertet wird das Tuch, nicht der Teppich: Ein Schimmer bei tiefem Indigo ist kein Befund, eine eingefärbte Stelle ist einer. Zwei Farben prüfen — Rot und Schwarz sind die üblichen Kandidaten. Näheres zur Färbung.
- Den Flor teilen und zum Knotengrund sehen. Florfäden mit den Fingern auseinanderdrücken. Ist die Faser auf ganzer Länge durchgefärbt oder wird sie nach unten blass? Nur oberflächlich gefärbte Wolle hellt auf, sobald der Flor sich abläuft — und das passiert dort, wo am meisten gegangen wird.
- Flach auslegen und hinsehen. Liegt der Teppich von selbst flach, oder wellt er sich? Messen Sie die Breite oben, in der Mitte und unten. Ein bis zwei Zentimeter Unterschied auf zwei Meter sind bei Handarbeit normal; deutlich mehr ist eine Verformung, die bleibt.
- Die Kante über die ganze Länge ansehen. Nicht an einer Stelle, sondern von einem Ende zum anderen, auf beiden Seiten. Die Umwicklung sollte gleichmässig und fest mit dem Gewebe verbunden sein. Aufgesetzte oder ausgedünnte Stellen sind entweder eine alte Reparatur oder die nächste — beides ist verhandelbar, wenn Sie es vorher sehen.

Zu den Punkten 12 und 13: Die Aufsicht zeigt, worauf sich Rechtwinkligkeit und Kantenverlauf beurteilen lassen — beides sieht man nur, wenn der Teppich ganz ausgelegt ist.
Phase 3 — Fragen, die Sie stellen sollten
Acht Fragen. Sie sind nicht misstrauisch gemeint, sondern präzise: Jede lässt sich mit einem Satz beantworten, und jede Antwort ist entweder da oder nicht. Genau das ist der Punkt — wo eine Auskunft fehlt, ist auch das eine Auskunft.
- Wie hoch ist die Knotendichte dieses Stücks — in welcher Einheit? Nicht die des Sortiments, nicht „bis zu“. Ohne Einheit ist die Zahl wertlos: Zwischen kpsi und Knoten pro Quadratmeter liegt der Faktor 1.550.
- Welche Faser, und in welchem Anteil? „Wolle mit Seide“ kann fünf Prozent bedeuten oder vierzig. Fragen Sie getrennt nach Flor und Kette — das sind zwei verschiedene Materialien mit zwei verschiedenen Folgen.
- Wie wurde gefärbt, und was ist über die Lichtechtheit bekannt? Pflanzlich oder synthetisch ist keine Rangfolge, sondern eine Angabe. Zur Lichtechtheit gibt es eine genormte Skala; entweder liegen Werte vor oder nicht.
- Wo wurde dieses Stück gefertigt — das Land, nicht das Muster? Klassische persische Entwürfe werden seit Jahrzehnten anderswo geknüpft, oft ausgezeichnet. Warum der Ortsname allein nichts belegt, steht unter Woran man einen echten Perserteppich erkennt.
- Wie alt ist der Teppich — und worauf stützt sich die Angabe? Bei jedem Stück, dessen Preis wesentlich auf dem Alter beruht, ist die zweite Hälfte der Frage die wichtigere. Eine Schätzung ist eine legitime Antwort, solange sie als solche benannt wird.
- Wie sind Rücknahme und Umtausch geregelt? Innerhalb welcher Frist, in welchem Zustand, mit welchen Kosten? Beim Sondermass gelten fast immer andere Regeln als bei Lagerware — fragen Sie für Ihren Fall, nicht allgemein.
- Ist eine Unterlage dabei, und welche? Sie ist kein Zubehör, sondern Teil der Konstruktion — sie entscheidet über Rutschsicherheit, Verschleiss und, bei Fussbodenheizung, über den Wärmedurchgang. Welche auf welchen Boden gehört, steht bei den Teppichunterlagen.
- Wie lange dauert es bei einem Sondermass? Ein handgeknüpfter Teppich entsteht in Monaten, nicht in Tagen, und die Dichte verlängert die Zeit überproportional. Wie der Ablauf aussieht, steht auf der Seite zur Massanfertigung.
Phase 4 — Bevor Sie unterschreiben
Vier Punkte, und der erste ist der einzige in dieser Liste, der sich nicht im Geschäft erledigen lässt. Er ist zugleich derjenige, der die meisten Rückgaben verhindert.
- Haben Sie den Teppich im eigenen Raum gesehen? Farbe und Wirkung lassen sich weder am Bildschirm noch unter Verkaufsbeleuchtung beurteilen — eine Kamera gleicht genau den Farbstich aus, um den es geht, und ein Verkaufsraum ist beleuchtet, damit Teppiche gut aussehen. Beim Probelegen liegt die Auswahl dort, wo sie liegen soll, im eigenen Licht, zu drei Tageszeiten.
- Stehen alle Angaben schriftlich? Masse, Faser für Flor und Kette, Knotendichte mit Einheit, Fertigungsland, Alter, Rücknahmefrist. Eine mündliche Musterbezeichnung ist nichts, worauf man sich später berufen kann; eine Zeile auf der Rechnung schon. Was schriftlich zugesichert wird, ist auch das, was geprüft wurde.
- Bei grösseren Anschaffungen: eine Expertise erwägen. Eine Beurteilung durch jemanden, der am Verkauf nicht beteiligt ist, kostet Aufwand und beantwortet dafür Material, Alter, Zustand und Wert im Zusammenhang. Wann sich das lohnt und was dabei geprüft wird, steht unter Teppich schätzen lassen. Für die Versicherung ist es ohnehin die einzige Grundlage, die trägt.
- Nach den Pflegehinweisen fragen. Saugen, drehen, waschen — in welchem Rhythmus, mit welchen Geräten, und was auf keinen Fall. Fragen Sie besonders nach dem, was schadet; die Verbotsliste ist kürzer und nützlicher als die Empfehlungsliste. Der Rahmen dazu steht unter Teppichpflege zu Hause.
Die drei Punkte, bei denen ein Nein den Kauf verhindern sollte
Fünfundzwanzig Punkte sind zu viele für den Moment, in dem entschieden wird. Drei sind es nicht. Sie unterscheiden sich von allen anderen dadurch, dass sie keine Geschmacksfrage betreffen und sich nicht nachholen lassen.
Keine Angabe zur Faser. Woraus ein Teppich besteht, ist die Grundlage jeder weiteren Aussage — über Haltbarkeit, Reinigung, Verhalten bei Feuchtigkeit, Wert. Wer sie nicht nennen kann, kann auch sonst nichts zusichern.
Keine Angabe zur Dichte. Sie ist die eine Kennzahl, die sich ohne Fachwissen nachzählen lässt, und deshalb die, die am wenigsten Spielraum lässt. Fehlt sie zu diesem einen Stück, wurde dieses eine Stück nicht geprüft.
Keine Möglichkeit, den Teppich im eigenen Raum zu sehen. Alle anderen Punkte lassen sich mit Messen und Fragen klären. Dieser nicht: Ob Farbe, Format und Raum zusammengehen, zeigt sich nur dort, wo der Teppich liegen wird. Ein Nein an dieser Stelle heisst nicht, dass mit dem Teppich etwas nicht stimmt — es heisst, dass Sie die Entscheidung ohne die wichtigste Information treffen sollen.
Bei allen übrigen zweiundzwanzig Punkten ist ein Nein eine Information, kein Ausschluss. Ein Händler, der bei einem alten Stück das Alter nicht belegen kann, sagt damit etwas Ehrliches. Ein Händler, der die Faser nicht kennt, auch — nur etwas anderes.
Und wenn nach dieser Liste noch eine Frage offen ist, dann meistens die, die man nicht abhaken kann: ob es der richtige Teppich ist. Dafür gibt es das Probelegen — mit den Massen vom Klebeband, den beiden Fotos aus Punkt 3 und der Zeile über die Nutzung aus Punkt 4 ist das Gespräch dazu meist in wenigen Minuten geführt.